Presseartikel

 

Oberberg Aktuell, 9. März 2006

Engelskirchen zieht finanzielle Notbremse - und verabschiedet sich von zwei Projekten

 

Engelskirchen – Für den Kauf der Trasse der Wiehltalbahn und die Beteiligung an der Entwicklung des Gewerbegebietes Lindlar-Klause V ist kein Geld da.

 

Engelskirchens Bürgermeister Wolfgang Oberbüscher hat sich angewöhnt, die unabänderlichen Dinge nüchtern und sachlich zu sehen, obwohl es manchmal in ihm brodelt. Seine Gemeinde hat seit geraumer Zeit mit einem erheblichen Haushaltsdefizit zu kämpfen. 2006 fügt man den vorhandenen roten Zahlen ein weiteres strukturelles Defizit von mehr als zwei Millionen Euro hinzu. Einziger Ausweg wäre die Ansiedlung neuer Firmen, die Arbeitsplätze brächten und Gewerbesteuern bezahlenwürden. Doch daran ist nicht zu denken, denn Engelskirchen besitzt keinerlei Erweiterungsmöglichkeiten für bestehende Gewerbegebiete. Stattdessen hatte das Land NRW die Gemeinde ausgefordert, mit Lindlar zusammen zu arbeiten und sich in die Nutzung, aber auch Finanzierung des Gewerbegebietes Klause mit einzubringen.

 

Schön und gut, so lange es Landesmittel gab. Doch auch in Düsseldorf ist Schmalhans Küchenmeister, und deshalb gibt es für Engelskirchener Wünsche keinen müden Euro. So muss Oberbüscher den Beitrag seiner Kommune für das Gewerbegebiet beim Nachbarn streichen. Und es gibt dann auch keinen Anteil an Gewerbesteuereinnahmen – die Gemeinde kommt keinen Zentimeter fort von ihrer Haushalts-Depression. „Ich fühle mich wie in einem Laufrad, aus dem es keinen Ausweg gibt“, beschreibt Oberbüscher seine Gefühlslage.

 

Auch der Engelskirchener Beitrag zum Kauf der Wiehltalbahn-Trasse ist mangels vorhandener Mittel gekippt. Sollen vor allem die Pläne in den Rathäusern von Wiehl und Waldbröl Wirklichkeit werden, wird man wohl dort in die eigene Schatulle greifen müssen, und den Anteil von 22.000 Euro berappen müssen. „Wir müssen unser Geld vordringlich für die Sanierung von Straßen und Schulen einsetzen“, so Oberbüscher weiter. Außerdem sei das Projekt des Neubaus Walbach-Schule eine gewaltige Investition, die geschultert werden müsse. So kann der leidgeprüfte Rathauschef nur zuschauen, wie die Kluft zwischen armen und vergleichsweise reichen Kommunen immer weiter auseinandergeht.